Am Puls des Marktes: Die Code-Sprache der Notenbanken

ezbNotenbanken sind die wichtigsten institutionellen Akteure am Devisenmarkt. Sie entscheiden über Zinsen und Geldmenge und können mit ihren Statements zu Konjunktur, Inflation und Finanzmarkt die Kurse stark bewegen. Die für alle Trader wichtigen Statements sind nicht in klarer Sprache formuliert. Wer Bernanke, Greenspan und Co. Verstehen möchte, muss zwischen den Zeilen lesen.

Wer einmal eine Pressekonferenz einer der großen Notenbanken verfolgt, merkt es sofort: Die Statements der EZB-Chefs sind gespickt mit Verklausulierungen. Ob und wann eine Änderung der Geldpolitik zu erwarten ist, lässt sich oft an den Aussagen zur Inflation beobachten.

Die EZB etwa kündigte Zinserhöhungen in der Vergangenheit öfter dadurch an, dass sie von „hoher Wachsamkeit“ in Bezug auf die Inflationsgefahren sprach. Fiel diese Aussage, folgte bei der nächsten turnusmäßigen Ratssitzung eine Anhebung der Leitzinsen. Sprach die Zentralbank lediglich von „erhöhter Wachsamkeit“, war ebenfalls eine Zinserhöhung zu erwarten – allerdings nicht zum nächsten Termin.


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US-Notenbank: Risiken für die Konjunktur = Lockere Geldpolitik

dollarBei der US-Notenbank Federal Reserve achten Analysten vor allem auf Aussagen zur Konjunktur. Anders als die EZB ist die US-Notenbank nicht nur der Wahrung der Preisstabilität verpflichtet, sondern auch der konjunkturellen Entwicklung. Sieht sie für diese „Abwärtsrisiken“, ist damit gemeint, dass die Zinsen gesenkt oder zumindest nicht erhöht werden.

Eine Zinserhöhung wird in den USA tendenziell dadurch angekündigt, dass wenig Negatives über die Einschätzung Konjunktur berichtet wird. Wird dann zumindest erwähnt, dass inflationäre Risiken bestehen, folgt früher oder später eine Straffung der Geldpolitik.

Besonders stark sind die Auswertungen geldpolitischer Maßnahmen, wenn sie den Markt überraschen. Das war in den vergangenen Jahren immer wieder der Fall – auch Notenbanken irren sich hinsichtlich der Konjunktur. Die Europäische Zentralbank hob im Sommer 2008 noch die Leitzinsen an und schätzte die heraufziehende Krise damit grob falsch ein.


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Was passiert wenn der Markt die Zentralbank falsch einschätzt?

FrageOb eine Zentralbank im Begriff ist, ihre Meinung drastisch zu ändern, lässt sich oft am organisatorischen Rahmenprogramm ablesen. Ein echtes Warnsignal sind kurzfristig einberufene, außerplanmäßige Sitzungen der Komitees. Dann steht möglicherweise eine Kehrtwende in der Geldpolitik an.

Trader sollten alle turnusmäßigen Notenbank-Termine kennen und in ihre Planungen mit einbeziehen. Im zeitlichen Umfeld von Zentralbanksitzungen kann es zu erhöhter Volatilität kommen. Um auf Statements der Währungshüter richtig zu reagieren, sollte vorab der Konsens der Erwartungen eingeholt werden.

Besser als Durchschnittswerte sind Umfragen unter Bankanalysten und Entscheidungsträgern aus dem Finanzsektor. Sehr häufig legen sich die Experten mit überwiegender Mehrheit auf ein Szenario fest. Dann führt eine Überraschung zu besonders großen Marktbewegungen, während bei einem Eintreffen der Erwartungen nichts passiert.

Anders verhält es sich, wenn die Marktteilnehmer sich unsicher sind und z. B. zu je einem Drittel eine Zinssenkung, einen konstanten Zinssatz und eine Zinserhöhung erwarten. Dann muss bei jeder Entscheidung mit Marktbewegungen gerechnet werden, weil ein Teil des Marktes überrascht wird.


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